Depot für Selbstständige: Worauf es beim Vergleich ankommt
Kosten, Sparplan-Angebot, ETF-Auswahl, Handelsplätze, Regulierung, Steuer: die sachlichen Kriterien für ein Wertpapierdepot als Selbstständiger — als Checkliste erklärt, ohne „bestes Depot"-Ranking und ohne Anlageberatung.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
Die Kernaussage vorweg: Es gibt kein „bestes Depot" für alle. Sinnvoll ist, Anbieter anhand klarer Kriterien zu vergleichen — Kosten, Sparplan-Angebot, ETF-Auswahl, Handelsplätze, Bedienung, Regulierung und steuerliche Abwicklung — und das passendste für die eigene Situation auszuwählen. Dieser Ratgeber erklärt jedes dieser Kriterien, damit du selbstständig entscheiden kannst.
Warum die Depotwahl für Selbstständige eigene Fragen aufwirft
Als Selbstständiger baust du deine Altersvorsorge und dein Vermögen meist eigenverantwortlich auf — oft mit schwankenden Einkommen und dem Wunsch nach niedrigen Fixkosten. Ein Wertpapierdepot ist dabei nur die „Hülle", in der deine ETFs oder Aktien liegen. Die spannende Frage ist, welche Hülle zu deinem Vorhaben passt: Wer monatlich kleine Beträge in einen breit gestreuten ETF-Sparplan steckt, achtet auf andere Dinge als jemand, der regelmäßig Einzelwerte handelt. Wie ein Sparplan sich modellhaft über die Jahre entwickeln kann, zeigt dir unser Sparplan-Rechner als unverbindliche Beispielrechnung. Warum ein ETF-Sparplan überhaupt interessant sein kann, liest du im Ratgeber ETF-Sparplan für Selbstständige.
Die 7 Kriterien im Depotvergleich
1. Depotgebühren
Viele Broker führen das Depot heute kostenlos. Achte trotzdem auf zwei Posten: die Depotführungsgebühr (fixe Grundgebühr, oft 0 Euro, manchmal an Bedingungen geknüpft) und die Ordergebühren beim Kauf/Verkauf (Pauschale pro Order, prozentuale Gebühr oder ein Mischmodell). Für Selbstständige mit langfristigem Sparplan sind vor allem laufende Kosten relevant — sie schmälern über viele Jahre die Rendite.
2. Sparplan-Kosten und -Angebot
Wenn du regelmäßig besparst, ist das oft das wichtigste Kriterium. Prüfe:
- Wird die Sparplanausführung kostenlos angeboten oder kostet jede Ausführung eine Gebühr?
- Wie viele ETFs sind sparplanfähig — und ist „dein" ETF dabei?
- Wie hoch ist die Mindestsparrate (häufig ab 1 bis 25 Euro)?
- Welche Ausführungsintervalle gibt es (monatlich, vierteljährlich, teils wöchentlich)?
3. ETF- und Wertpapier-Auswahl
Nicht jeder Broker bietet alles. Schau, ob die Anzahl handelbarer ETFs, Fonds und Aktien zu deinem Vorhaben passt und ob sowohl thesaurierende (Erträge werden wieder angelegt) als auch ausschüttende Varianten verfügbar sind. Für einen simplen Welt-ETF-Sparplan reicht fast jeder Anbieter; wer breiter oder spezieller anlegen will, braucht ein größeres Universum.
4. Handelsplätze
Über welche Börsenplätze du handeln kannst, beeinflusst Kosten und Ausführung. Üblich sind der Referenzmarkt Xetra sowie außerbörsliche Handelsplätze wie Gettex oder Tradegate und teils der Direkthandel mit einem Handelspartner. Für langfristige Sparplan-Anleger ist das nachrangig; wer aktiv handelt, achtet auf enge Spreads und lange Handelszeiten.
5. App, Bedienung und Funktionen
Ein Depot begleitet dich über Jahre — die Bedienbarkeit zählt. Manche Anbieter sind rein App-fokussiert, andere bieten zusätzlich eine ausgereifte Web-Oberfläche. Praktische Details: verständliche Sparplan-Verwaltung, eine nachvollziehbare Kosten- und Steuerübersicht sowie brauchbare Reports für deine Unterlagen. Was sich „gut" anfühlt, ist individuell — teste im Zweifel die App vorab.
6. Einlagensicherung und Regulierung
Hier lohnt eine wichtige Unterscheidung: Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen. Sie gehören rechtlich dir und werden bei einer Broker-Insolvenz grundsätzlich auf eine andere Bank übertragen — ohne betragsmäßige Obergrenze. Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank greift dagegen nur für Euro-Guthaben auf dem Verrechnungskonto, nicht für deinen Wertpapierbestand (Quelle: BaFin/EU-Einlagensicherung). Achte außerdem auf die Regulierung: Deutsche Broker unterstehen der BaFin, EU-Anbieter etwa der CySEC in Zypern — beide arbeiten im EU-Rechtsrahmen, der Aufsichtssitz kann aber Auswirkungen auf die steuerliche Abwicklung haben (siehe Kriterium 7).
7. Steuerliche Abwicklung in Deutschland
Für Selbstständige, die ohnehin eine Steuererklärung abgeben, ist das ein oft unterschätztes Kriterium:
- Inländischer (deutscher) Broker: Er behält die Abgeltungssteuer (25 % zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. 8–9 % Kirchensteuer) sowie die jährliche Vorabpauschale automatisch ein und führt sie ans Finanzamt ab. Die Teilfreistellung (bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge steuerfrei) wird automatisch berücksichtigt. Du musst dazu in der Regel nichts erklären.
- Ausländischer Broker (z. B. EU-Sitz): Hier musst du Erträge und die Teilfreistellung meist selbst über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung angeben und die Steuer nachträglich zahlen. Mehr Aufwand — nicht schlechter, aber ein bewusster Abwägungspunkt.
Grundlagen: § 20 EStG (Kapitalerträge), Investmentsteuergesetz (Teilfreistellung/Vorabpauschale). Der Basiszins für die Vorabpauschale 2026 liegt bei 3,20 % (2025: 2,53 %). Steuerliche Details sind einzelfallabhängig — bei Fragen einen Steuerberater hinzuziehen.
Kriterien-Checkliste auf einen Blick
Diese Tabelle rankt keine Anbieter — sie fasst zusammen, worauf du je Kriterium schaust und warum es für Selbstständige zählt:
| Kriterium | Worauf du achtest | Besonders relevant, weil … |
|---|---|---|
| Depotgebühren | Depotführung, Ordergebühren | laufende Kosten schmälern die Rendite über Jahre |
| Sparplan | Kosten je Ausführung, Auswahl, Mindestrate, Intervall | Kernbaustein für regelmäßiges, kleinteiliges Sparen |
| ETF-Auswahl | Anzahl ETFs/Aktien, thesaurierend/ausschüttend | deine Wunsch-ETFs müssen verfügbar sein |
| Handelsplätze | Xetra, Gettex, Tradegate, Direkthandel | beeinflusst Kosten und Ausführung beim Handel |
| App / Bedienung | Übersicht, Sparplan-Verwaltung, Steuer-Reports | du nutzt das Depot über viele Jahre |
| Regulierung | BaFin oder EU-Aufsicht (z. B. CySEC), Sondervermögen | Sicherheit im Insolvenzfall + steuerliche Folgen |
| Steuer-Abwicklung | automatisch (inländisch) vs. Anlage KAP (ausländisch) | spart oder verursacht Aufwand in deiner Steuererklärung |
Anbieter als Beispiele — sachlich, ohne Wertung
Zur Einordnung: Wer sich mit ETF-Sparplänen und Depots vertraut machen möchte, stößt häufig auf Anbieter wie Scalable Capital, Trade Republic oder Freedom24. Sie unterscheiden sich in Preismodell, Handelsplätzen, Regulierung (BaFin bzw. CySEC) und damit auch in der steuerlichen Abwicklung. Prüfe die oben genannten sieben Kriterien für jeden Anbieter, den du in Betracht ziehst — am besten direkt in dessen aktuellem Preis-/Leistungsverzeichnis, da sich Konditionen ändern.
Anzeige – keine Empfehlung, Auswahl nach sachlichen Kriterien.
Hinweis: Genannte Konditionen und Anbieter dienen nur der Orientierung. Konkrete Gebühren, sparplanfähige ETFs und Handelsplätze bitte tagesaktuell beim jeweiligen Anbieter prüfen (Stand dieses Beitrags: Juli 2026).
So gehst du beim Vergleich vor
- Kläre zuerst dein Vorhaben: nur ETF-Sparplan, oder auch Einzelaktien und aktiver Handel?
- Gewichte die sieben Kriterien nach deiner Situation (z. B. Sparplan-Kosten vor allem, wenn du monatlich kleine Beträge investierst).
- Vergleiche zwei bis drei Anbieter Kriterium für Kriterium anhand ihrer aktuellen Konditionen.
- Berücksichtige die Steuer-Abwicklung — als Selbstständiger mit Steuererklärung kann ein inländischer Broker Aufwand sparen.
- Entscheide eigenverantwortlich. Ein Depot lässt sich später wechseln (Depotübertrag).
Wie all das in eine langfristige Vorsorgestrategie passt und was sich ab 2027 ändern könnte, liest du im Überblick Altersvorsorgedepot 2027 für Selbstständige.
Häufige Fragen
Welches Depot ist das beste für Selbstständige?
Ein pauschal „bestes" Depot gibt es nicht. Was passt, hängt von deinen Kriterien ab: Wie oft besparst du wie viele ETFs? Handelst du auch Einzelwerte? Wie wichtig sind dir niedrige Kosten, eine gute App oder ein deutscher Broker mit automatischer Steuerabwicklung? Vergleiche Anbieter anhand dieser Kriterien statt anhand von Ranglisten.
Sind meine ETFs im Depot sicher, wenn der Broker pleitegeht?
Wertpapiere im Depot (Aktien, ETFs, Fonds) sind Sondervermögen. Sie gehören rechtlich dir, nicht dem Broker, und werden im Insolvenzfall grundsätzlich auf eine andere Bank übertragen — unbegrenzt, ohne Obergrenze. Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank greift nur für Guthaben auf dem Verrechnungskonto (Euro-Cash), nicht für den Wertpapierbestand.
Muss ich mich als Selbstständiger um die Depotsteuer selbst kümmern?
Bei einem inländischen (deutschen) Broker werden Abgeltungssteuer und Vorabpauschale automatisch einbehalten und ans Finanzamt abgeführt — du musst dafür nichts erklären. Bei einem ausländischen Broker (etwa mit Sitz in einem anderen EU-Land) musst du die Erträge in der Regel selbst über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung angeben. Das ist ein wichtiges Vergleichskriterium.
Was kostet ein ETF-Sparplan?
Das variiert je Anbieter stark: Viele Neobroker führen ETF-Sparpläne kostenlos aus, andere verlangen eine Pauschale oder einen Prozentsatz pro Ausführung. Konkrete Konditionen ändern sich häufig — prüfe die aktuellen Preis-/Leistungsverzeichnisse direkt beim jeweiligen Anbieter, bevor du dich entscheidest.
Ist dieser Ratgeber eine Empfehlung für einen bestimmten Broker?
Nein. Dieser Beitrag erklärt allgemein, welche Kriterien beim Depotvergleich zählen. Er ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter. Genannte Anbieter sind Beispiele; die Auswahl triffst du eigenverantwortlich nach sachlichen Kriterien.